Karma Yoga im vedsichen Sinn

Ich lerne seit einigen Monaten den Bhagavad Gita mit meinem Lehrer aus Indien. Ich habe gerade die ersten 5 Kapitel hinter mir. Hier wurde von Herr Gott Krishna sehr viel über Karma Yoga erklärt. Es sind mir einige Dinge klar geworden bzw. sehr viele falsche Vorstellungen über Karma Yoga weggefallen.

Die moderne Welt hat eine verdünnte oder mildere Interpretation des Karma Yogas als was die Veden deuten. Herr Gott Krishna hat durchgehend in der Gita immer das Wort Karma in dem Vedischen Sinn gemeint. Alle vedischen Karmas haben als Folge immer ein Verdienst. Es ist das Gute, das Wohl der Mensch, das gewonnen wird durch Erfüllung dieses Karmas. Die Vedische Karmas sind folgende:

  • Nitya Karmas/Tägliche Karmas: Sandhyavandanam und Agnihotra.
    • Sandhyavandanam: Ritual vor Sonnenaufgang, vor Sonnenuntergang und zu Mittag
    • Agnihotra: Das feuer Ritual zum Sonnenaufgang und Untergang

Diese Karmas sind Verpflichtungen, die ohne bestimmten Wünsche ununterbrochen gemacht werden sollten.  

  • Naimittika Karmas/Terminabhängige Karmas: Zu den bestimmten Zeitpunkten sollten diese vedischen Ritualen gemacht werden sollten. Ein paar Beispiele sind:
    • Shraadha Karma: Ritual zu Verehrung eigenen Ahnen
    • Feste mit Ritualen, Gebeten zum Geburtstag von Avatars wie Krishna, Rama, Shiva usw.

Kamya Karmas: Wenn einen Wünsch erfüllt werden soll, könnte die Person bestimmte vedischen Karmas unternehmen. Diese könnte z.B sein – einen Sohn wünschen, mehr Vermögen, Verbesserungen in seinem Wohlstand, Gesundheit usw.

Die vedische Karmas könnten wir auch als die Panchamahayagnas sehen. Die sind die fünf tägliche Yagnas (Opfergaben), die jeder Vedischer machen sollt.

  1. Brahma/Veda/Rishi Yagna: Das tägliche Lernen und Lehren der Veden. Ohne die Beschäftigung mit den Veden, kommen wir überhaupt nicht weiter. Die Veden sind die heilige Quelle, womit jedes Wesen sein Lebenssinn findet. Die Veden selbst zu studieren, zu singen und lehren sind die Hauptdienste jeder vedische Mensch.
  2. Deva Yagna: Das Feuer Ritual und Opfergabe zu den Göttinnen. Die Göttinnen der Natur geben uns alles was wir brauchen. Die Verehrung den Göttinnen zeigt unter anderem unsere Dankbarkeit.
  3. Pitru Yagna: Ritual zu Verehrung eigenen Ahnen. Diese ist wie vorher erwähnt ein Naimittika Karma, der zu bestimmten Zeitpunkten zu unternehmen sind.
  4. Manushya Yagna: Hilfeleistung für die Menschheit. Menschen im Not helfen – mit Geld, Essen, medizinische Versorgung usw.
  5. Bhuta Yagna: Hilfeleistung für die Tiere, Insekten und alle Wesen, die der Lieber Gott geschaffen hat!

Die oben ernannte vedischen Karmas sind wohltuende Unternehmungen, die der Mensch in der Persönlichkeitsentwicklung weiterbringen. Die Bhagavad Gita von Bhagavan Krishna aber beschäftigt mit Moksha/Erleuchtung. In dem Kontext von Erleuchtung kommt Karma Yoga ins Spiel. Außerhalb dieses Kontext gibt es kein Karma Yoga.

Bhagavan Krishna erklärt uns die Eigenschaften einer Tat wenn es als Karma Yoga zählen sollte:

  • Es muss ein vedisches Karma sein
  • Es muss als Opfergabe zu Gott gemacht werden. Das Resultat der Tat sollte als ein Geschenk Gottes gesehen werden.
  • Die Tat sollte mit voller Hingabe zu Gott gemacht werden. Die Einstellung „ich bin nur dein Diener, dein Instrument und lass dein Wille geschehen“, wäre die richtige innere Haltung.
  • Es besteht kein Egoismus, keine Vorhaben und keine Abneigungen während man die Tat durchführt.
  • Die Tat wurde nur durchführt mit der inneren Haltung, dass man Nähe zu Gott sucht, und dass seine Gedanken gereinigt werden. Die Reinheit der Seele, die Herzensreinheit ist alles was man von der Tat für sich wünschen will.
  • Es sind keine bestimmten Begehren mit der Tat zu erfüllen.

Karma Yoga in dem modernen Kontext

Wir alle tuen etwas nur unser Bedürfnisse, unser Begier zu erfüllen. Der Mensch ist durch seine Bedürfnisse und Begier gezwungen etwas zu tun, sonst muss er gar nichts tun. Ohne Absicht könnten wir und wollen wir nicht handeln. Wenn wir jetzt unser Leben anschauen, haben wir vollzeit Jobs. Die Jobs bringen uns Geld damit wir die lebensnötwendige Güter kaufen könnten. Aber nicht nur das Lebensnotwendige, sondern auch sachen für Wünsche, unsere Unterhaltung, unser Spass. Also auf einer Seite wird geschuftet und in der Freizeit werden die Wahrnehmungen mit Unterhaltungen erregt bzw. amüsiert.

Wenn eine Person Moksha/Nirvana/Erleuchtung erlangt, könnte er/sie nicht so wie bisher weiterleben. Es erfordert eine Änderung des Lebenstils. Einer kann nicht gleichzeitig Gott und Vergnügungen wünschen. Die beide sind diametral entgegengesetzt. Warum? Gott in dem vedischen Sinn ist Brahman. Der Größte, der alles erfüllt, weil es nichts außer ihm gibt. Wir sind dieses Brahman und wir sind in unsere wahre Dasein vollkommend. Wir brauchen die Welt nicht, um glücklich zu sein. Wenn wir dieser Art der Gottesnahe suchen, bedeutet es auch, dass man Gluck in Gottesnahe sucht. Wen man in der Suche nach Gluck in die Welt geht, wie sollte man jemals zu Gott kehren?

Nur wenn wir lediglich Erleuchtung suchen, könnten wir das pure Karma Yoga praktizieren. Diese Angewohnheit in die Welt Unterhaltungen zu suchen sollte langsam abgewöhnt werden. Diese gebahnten Wege müssen wir aufgeben und neue Wege schaffen. Es bedarf eine graduelle Entwöhnung von unseren Lebensstil. Erstens ist etwas großes wahrzunehmen. Das sind unseren Jobs. Die sind nicht direkt Karma Yoga. Die rauben uns die meiste Zeit in unserem Leben. Wir leben in einer nützlichkeitsdenkenden Gessellschaft. Ohne unsere Arbeit könnten die meiste von uns nicht überleben. Sonst müssen wir alle Mönche werden. Daher sollte das minimum notwendigste Geld für die Instandhaltung des Körpers verdient werden.

Jede freie Minute außerhalb der Arbeit sollte für Karma Yoga Praxis verwendet werden. Was ist damit gemeint? Alles was vorher erwähnt wurde – die Nitya, Naimittika Karmas, die Panchamahayagnas sollten gemacht werden. Bhagavan Krishna in Kapitel 4.26 – 4.30 erklärt noch einige Opfergaben/Ritualen/Taten die als Karma Yoga gesehen werden. Die sind Sinneskontrolle, kontrolliert Essen, Pranayama, Selbststudium, Veden Singen bzw. Chanten, Menschen Helfen, Japa (Rosenkranz Chanten), Versenkungen, Meditationen, und vieles mehr. Krishna selbst in 4.32 sagt, dass es sind unzählige Yagnas in den Veden. Die alle Yagnas wenn sie mit der richtige innere Haltung gemacht werden, zählen sie als Karma Yoga und wir entwickeln eine Herzensreinheit damit wir die Wahrheit erkennen könnten.