Die Rolle des Yogasanas im Ziel des vedischen Lebens

Die Vedas ermöglichen dem Menschen sein Leben in Vollkommenheit zu bringen. Purushartha ist das Sanskrit Wort für die Ziele wonach die Menschen streben sollten. In den Veden sind vier Purusharthas definiert:   

  • Dharma: Im Handeln mit und in der Welt, ethischen und moralischen Regeln folgen
  • Artha: Das Streben nach Wohlstand und Sicherheit
  • Kama: Die Erfüllung von Wünschen und Begehren
  • Moksha: Erleuchtung zu erlangen bzw. sich selbst zu erkennen

Artha und Kama sind Instinkt orientierte menschliche Eigenschaften. Jeder wünscht sich Wohlstand und Sicherheit. „Mögen deine Wünsche in Erfüllung gehen“ ist ein klassischer Geburtstagswunsch, und bezieht sich auf universales menschliches Begehren. Die Veda bahnt Wege, wie man zu Geld kommt, oder wie man seine Wünsche erfüllt. Es gibt zum Beispiel spezifische Riten in den Veden damit man ein Kind bekommt, bessere Ernte hat, von Krankheiten geheilt wird, usw.

Dharma sind die Regeln, „was man tun und nicht tun sollte“. Diese Regeln nehmen Präzedenz vor allen anderen Zielen, nämlich Artha, Kama und Moksha. Ohne Dharma Geld zu verdienen oder eigene Begehren zu erfüllen werden untersagt.

Die ersten drei Ziele (Dharma, Artha und Kama) gehören zu “Pravritti Marga“. Pravritti Marga bedeutet, dass wir im weltlichen Leben weiterkommen und erfolgreich werden. Durch Verfolgung dieser Ziele, werden wir in diesem Leben genügend Erfahrungen machen, sodass wir eine gewisse „Reife“ entwickeln. Wenn eine Person reif genug ist, fragt er/sie nach, ob es noch mehr im Leben gibt, als nur diese herkömmlichen Wünsche zu erfüllen.

Zu so einer Person sagt die Veda, dass es noch Moksha gibt. Moksha als Erkennung des wahren Selbst. Wenn eine Person, Moksha als Ziel setzt, lebt sie in „Nivritti Marga“. Nivritti bedeutet „Zu seinem wahren Selbst zurückkehren“. Auf diesem Weg ist die „Weltentsagung“ Teil der Veden und wichtig für diese Person. Die Upanischaden sind die bekannten Vedischen Texte, die Wissen über das wahre Selbst lehren und auch einen Lebensstil empfehlen, der zu Moksha führt.

Als Teil dieses Lebensstiles kommen sehr viele „Sadhanas“ ins Spiel. Sadhanas sind Methoden um den Geist zu reinigen, sodass wir Moksha erlangen können. Riten, Gottesdienst, soziale Hilfeleistungen, Meditation, und viele anderen Praktiken gehören zu Sadhanas.

Unsere Wahrnehmungen sind immer nach außen gerichtet. Sie ermöglichen uns in der Welt tätig zu sein. Die Sadhanas helfen uns das Ego zu schwächen, unsere Weltanschauung umzudrehen. Durch die Sadhanas wollen wir gegen den Strom schwimmen, um nach innen zu schauen. Anders gesagt, wir wollen den Geist von seinen Identifikationen mit dem weltlichen Selbst lösen. 

In diesem Kontext von Sadhanas ist das Wort „Yoga“ verwendet. Yoga ist zu verbinden, vereinigen. Wir verbinden das Untere mit dem Oberen, das Ego mit dem höheren Selbst, oder Gott. Für jede Art von Sadhana wird ein Yoga genannt. Wenn man vereinfachte Definitionen verwenden würde, könnte man z.B. soziale Hilfeleistung als Karma Yoga bezeichnen, Gottesdienst und Riten als Bhakthi Yoga, Meditation als Dhyana Yoga, die Upanischaden studieren als Jnana Yoga usw.

Mit diesem Hintergrund kommen wir zu Yogasana. Für die Unterstützung einer Person, die sich nach Gott richtet, und Gott erlangen möchte, werden Yogasanas empfohlen. Die Sadhanas, vor allem Meditation und Versenkungen, sind extrem herausfordernd für den Geist und Körper. Der erste Schritt in Meditation wäre am Boden zu Sitzen und den Kopf, den Nacken und die Wirbelsäule gerade zu halten. Der zweite Schritt wäre, diese Haltung mindestens eine halbe Stunde zu halten. Diese zwei Schritte genügen um uns zu zeigen, wie wichtig Asanas sind, sodass wir überhaupt zu einer geistigen Arbeit in der Meditation kommen können. Deswegen sind die wesentlichsten Qualitäten einer Asana: Stabilität, mit Gelassenheit und Ausdauer.

In diesem Kontext helfen die Yogasanas folgendermaßen:

  • Tamas (Trägheit), Rajas (leidenschaftliche Aktivität) und Sattwa ( ausbalancierte Aktivität) sind die Qualitäten in uns. Das Ziel einer Yogastunde sollte sein, die Person von einer Trägheit oder von Hyperaktivität abzuholen und zu achtsamer Aktivität zu begleiten. Die Nachwirkungen einer Yogastunde sollten Balance, Klarheit und Achtsamkeit sein. Die Person befindet sich im Zustand des Sattwa.
  • Der Körper wirkt auf den Geist. Der Geist wirkt auf den Körper. Durch regelmäßige Yogapraxis halten wir den Körper soweit wie möglich gesund. Dies schafft uns den notwendigen Freiraum mit dem Geist/Ego zu arbeiten.
  • Nadis sind feinstoffliche Energieleitbahnen in unserem Körper. Pranayama wird den ganzen Körper mit Lebensenergie durch diese Nadis beleben. Yogasanas beseitigen Blockaden in den Nadis und unterstützen damit Pranayama Übungen.
  • In dem Kundalini-Erkweckungsprozess werden Yogasanas praktiziert, damit die Kundalini Energie geleitet werden kann. Yogasanas unterstützen die Kanalisierung der Kundalini Energie zu den Chakren. 

Die Praxis von Yogasana als Teil des vedischen Lebensstils öffnet die Möglichkeit, dem wahren Selbst zu begegnen. Für den praktizierenden Yogi, der nach Moksha strebt, ist, wie Sri Aurobindo gesagt hat, „das ganze Leben Yoga“. Egal welche Verhältnisse, Tätigkeiten, und Beziehungen im Leben vorkommen, die Essenz, dass man konstant nur das Göttliche sieht und sich daran erinnert, bleibt.

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